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12.12.2017

Wilde Reis-, Yams- und Weizenarten vom Aussterben bedroht

Reis Roter Reis - bald verschwunden? (Foto: CC0)

Die Intensivierung der Landwirtschaft und die zunehmende Verstädterung bedrohen die wilden Verwandten von Reis, Weizen und Yams. Das teilt die Weltnaturschutzunion (IUCN) am 5. Dezember bei der Vorstellung ihrer aktualisierten Roten Liste vor. Für die Liste, auf der vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten stehen, wurde erstmals auch untersucht, wie es um die wilden Verwandten unserer Nutzpflanzen bestellt ist. Berücksichtigt wurden 26 Arten von wildem Weizen, 25 Reisarten und 44 wilde Vertreter der Yamswurzel. Die Experten kamen zu dem Ergebnis, dass drei wilde Reisarten, zwei wilde Verwandte des Weizens und 17 Yams-Arten vom Aussterben bedroht sind. „Die aktualisierte Rote Liste schlägt Alarm bezüglich ihres Rückgangs und unterstricht die Dringlichkeit, etwas dagegen zu unternehmen – um unserer eigener Zukunft willen“, sagte IUCN-Generaldirektorin Inger Andersen in einer Presseerklärung.

Denn der Verlust dieser wild wachsenden Arten könnte zulasten der künftigen Ernährungssicherheit gehen: „Gesunde, artenreiche Ökosysteme sind elementar für unsere Fähigkeit, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und das zweite UN-Nachhaltigkeitsziel – die Beseitigung des Hungers in der Welt bis 2030 – zu erreichen“, fügte Andersen hinzu. „Der von der IUCN belegte Druck auf die wilden Verwandten unserer Feldfrüchte gefährdet die genetische Vielfalt, die in der Zucht von modernem Saatgut von Bedeutung sein könnte“, kommentierte Christoph Heinrich, WWF-Vorstand Naturschutz, die Veröffentlichung der Roten Liste. „Wir nehmen uns den Spielraum, für unsere Ernährung wichtige Pflanzen durch Forschung und Züchtung gegen immer extremer werdende klimatische Bedingungen und deren Folgen zu wappnen“, fügte er hinzu. Dadurch würden künftige Generationen möglicherweise wichtiger Optionen beraubt, um ihre Ernährung zu sichern.

Die Abholzung von Wäldern, Verstädterung und wachsender Druck durch die Intensivierung der Landwirtschaft, besonders durch Überweidung und die übermäßige Nutzung von Pestiziden, sind die Hauptfaktoren für die Gefährdung wilder Pflanzenarten. „Ein übermäßiger Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sowie der fortschreitende Landnutzungswandel bedrohen nicht nur wildlebende Pflanzen- und Tierarten, sondern auch die Ernährungssicherung von morgen“, betonte Heinrich. Daher dürfe die Landwirtschaft der Zukunft nicht weiter abhängig sein von wenigen Pflanzensorten, künstlichen Düngern und synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Die Weltnaturschutzunion fordert vor allem aber auch verstärkte Bemühungen zur Bewahrung wilder Pflanzensorten. Sie verweist auf eine kürzlich veröffentlichte Studie, wonach 72% der wilden Verwandten unserer Nutzpflanzen nicht ausreichend in Saatgutbanken aufbewahrt werden. Auch die in-situ-Erhaltung in der Natur stelle eine große Herausforderung dar. Der Schutz der wilden Sorten sei jedoch nicht nur von unschätzbarem Wert für die Zukunft unserer Ernährung, sondern generiere schon heute einen hohen ökonomischen Wert: Laut IUCN bringen die wilden Verwandten unserer Nutzpflanzen der Weltwirtschaft jedes Jahr 115 Milliarden US-Dollar ein. (ab)

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